Zugriff des Systemadministrators auf E-Mail-Konten

Der Fall

Ein Systemadministrator mit Zugriffsrechten auf die E-Mail-Postfächer hatte Differenzen mit dem Geschäftsführer des Unternehmens. In dessen Urlaub durchstöberte er dessen Postfächer nach belastenden E-Mails und informierte einen weiteren Geschäftsführer über solche E-Mails, welche er für belastend hielt. Das Unternehmen kündigte den Systemadministrator außerordentlich.

Die Entscheidung

  1. Der Zugriff des Systemadministrators auf E-Mails des Geschäftsführers unter Missbrauch seiner Zugriffsrechte und ohne Kenntnis des Geschäftsführers stellt eine Missachtung der Zweckbestimmung der Zugriffsrechte und einen gravierenden Vertrauensbruch dar. Der Arbeitgeber schuldet allen Mitarbeitern gegenüber die Sicherheit der eingegebenen Daten und den Datenschutz. Ohne Kenntnis eines Mitarbeiters und unter Missbrauch der Zugriffsrechte darf daher ein Zugriff auf solche Postfächer nicht erfolgen. Das Unternehmen muss sich darauf verlassen können, dass ein Systemadministrator mit weitreichenden Zugriffsrechten diese nur zweckbestimmt einsetzt und die Rechte aller Mitarbeiter hierbei achtet.
  2. Im konkreten Fall ist der Vertrauensbruch besonders schwerwiegend, da der Systemadministrator nicht im Interesse des Unternehmens sondern aus Eigenmotiven heraus handelte. Der Verstoß ist durch eine Abmahnung nicht zu beseitigen, da der Vertrauensbruch besonders schwerwiegend ist. Die außerordentliche Kündigung ist daher gerechtfertigt.
    (redaktionell bearbeitet)

Konsequenzen

Auch ohne gezielte vertragliche Vereinbarung zählt es zu den Sorgfaltspflichten eines Systemadministrators, die ihm faktisch zustehenden Zugriffsrechte unter Berücksichtigung sowohl der Interessen des Unternehmens, aber insbesondere auch der Rechte der Mitarbeiter an dem Schutz der von ihnen im System eingegebenen Daten auszuüben. Ein Zugriff auf E-Mail-Postfächer von Mitarbeitern ohne Kenntnis der Mitarbeiter beziehungsweise sonstigen, rechtlich begründeten Anlass stellt daher einen zur außerordentlichen Kündigung berechtigenden Vertrauensbruch dar.

Das gesamte Urteil

Das vollständige Urteil finden Sie hier, mit freundlicher Genehmigung von juris.