Veröffentlichung fremder Photos im Internet "Nacktfotos"

Der Fall

Die Klägerin war mit dem Beklagten befreundet. Während der Beziehung hatte dieser (teilweise) mit Genehmigung der Klägerin private digitale Nackfotos von ihr gefertigt, die er ihr auf CD-Rom übergab und von denen er der Klägerin zugesagt hatte, sie anschließend zu löschen. Nach dem Ende der Beziehung stellte er die Bilder aus enttäuschter Liebe in einer Tauschbörse ins Internet ein, von wo sie mehrfach heruntergeladen und auch weiter verbreitet wurden. Zuvor hatte er den vollständigen Namen, Anschrift und Telefonnummer seiner früheren Freundin auf den digitalen Bildern durch eine Bildbearbeitung angebracht und sexuelle Anspielungen angebracht, welche dazu führten, dass die Klägerin in der Folge mehrfach belästigende Anrufe erhielt. Dies änderte sich auch nicht, als der Beklagte die Bilder aus der Tauschbörse herausnahm, da sie schon ihr weitere Verbreitung gefunden hatten.

Die Entscheidung

Die Veröffentlichung fremder privater Bilder, insbesondere Nacktfotos, ohne Genehmigung des Abgebildeten stellt eine schwerwiegende Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechtes im Sinne von § 823 BGB, Artikel 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG dar und ist eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung, welche den Veröffentlichenden zur Zahlung von Schmerzensgeld sowie zur Unterlassung verpflichtet.

Ist eine endgültige Entfernung der ohne Genehmigung im Internet eingestellten erotischen Bilddateien nicht mehr möglich, da die Bilder über eine Tauschbörse bereits eine allgemeine Verbreitung gefunden haben und weder die weiteren Internetnutzer zu ermitteln sind, welche die Bilder weiter verbreiten, noch faktisch eine Unterbindungsmöglichkeit besteht, so dass selbst bei einer Entfernung der Bilder durch den ursprünglich Veröffentlichenden damit zu rechnen ist, dass diese immer wieder den Weg ins Internet finden, so ist ein Schmerzensgeld von ‚€ 25.000,00 angemessen und der Schädiger verpflichtet, auch künftige Schäden, welche der Geschädigten aus der Veröffentlichung der Bilder entstehen, zu ersetzen.

Hierbei hängt die Höhe des Schmerzensgeldes neben der Art und Durchführung der Tat insbesondere auch von den Folgen der Handlung für die Geschädigte ab. Wird – wie im konkreten Fall – nicht lediglich das Bild veröffentlicht, sondern zuvor so bearbeitet, dass Name und Telefonnummer nebst Anschrift der Abgebildeten zu erkennen sind und zudem die Bilder entweder so bezeichnet oder ebenfalls in Form von digitaler Bearbeitung so beschriftet sind, dass sich dem Betrachter ein erotischer Kontext eröffnet und zudem der Eindruck erweckt wird, dass die Abgebildete professionelle erotische Dienste anbietet, ist ein Schmerzensgeld von ‚€ 25.000,00 angemessen.

Konsequenzen

Das Internet, insbesondere in der Form des Mitmach-Web entwickelt sich mehr und mehr zur Plattform der Selbstdarstellung und zum Austausch gesammelter Erlebnisse, häufig in Form von digitalen Bildern, Videos oder Web-Blogs. Häufig sind sich die Internetnutzer bei der Veröffentlichung eigener Inhalte nicht über die rechtlichen Auswirkungen der Veröffentlichungen im Klaren. Häufig kollidiert das eigene Interesse, etwas zu veröffentlichen, mit dem Recht eines Dritten, die Veröffentlichung zu unterbinden. Im konkreten Fall war gezielt eine Verunglimpfung und Schädigung der früheren Freundin geplant, weshalb das Gericht nicht nur zur Unterlassung, sondern zu massiven Schmerzensgeldbeträge verurteilte. Der Internetnutzer war darüber hinaus auch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen und wegen Beleidigung verurteilt worden.

Auch ohne gezielte Schädigungsabsicht können Veröffentlichungen jedoch die Rechte Dritter verletzen und zu Unterlassungs- und Schadensersatzansprüchen führen. Nicht jeder, der auf einer privaten Party dabei war, wünscht, Videos oder Bilder über seine Teilnahme an der Party am nächsten Tag im Internet zu finden. Mit eigenen Veröffentlichungen ist daher nicht nur wegen der Rechte Dritter, sondern auch im eigenen Interesse zurückhaltend vorzugehen und im Zweifelfall die Zustimmung von solchen Personen einzuholen, deren Rechte betroffen sein können. Hierbei gilt weiter, dass Rechte Dritter auch dadurch verletzt werden können, das ein Internetnutzer solche Dateien selbst wiederum veröffentlicht, die er bereits im Internet heruntergeladen hat und nicht selbst produziert. Allgemein muss daher empfohlen werden, im Zweifel von einer Veröffentlichung immer dann abzusehen, wenn nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, dass die Zustimmung eines Dritten, dessen Rechte betroffen sein können, vorliegt.

Das gesamte Urteil

Das vollständige Urteil finden Sie hier mit freundlicher Genehmigung von juris.