Schadenersatz des Bieters bei Auktionsabbruch

Der Fall

Bei eBay bot ein Teilnehmer Autofelgen im Rahmen einer Auktion an. Als Mindestangebot war ‚€ 1,00 angegeben. Als vor Ablauf der Auktion nur ein einziger Bieter auf die Alufelgen geboten hatte und das Gebot nur ‚€ 1,00 betrug, brach der Auktionator die Auktion vorzeitig ab und weigerte sich, die Autofelgen zum Gebotspreis von ‚€ 1,00 an den Bieter zu übereignen. Dieser machte anschließend Schadenersatz in Höhe von ‚€ 3.500,00 geltend. Dies war der Preis, zu dem er die Felgen auf dem Markt kaufen konnte.

Die Entscheidung

Nach den Allgemeinen Auktionsbedingungen von ebay kommt auch bei vorzeitiger Beendigung einer Internetauktion ein Kaufvertrag zwischen Anbieter und Bieter zustande, sofern nicht dem Anbieter ein gesetzliches Rücktrittsrecht zusteht. Weigert sich der Anbietende, nach einem Auktionsabbruch dem Höchstbietenden den angebotenen Artikel zu übereignen, ist dieser berechtigt, Schadenersatz statt der Erfüllung zu verlangen (§ 433, 281, 280, 145, 119 BGB). (redaktionell bearbeitet)

Konsequenzen

Die Entscheidung des AG Gummersbach ist weder überraschend noch neu. Vielmehr liegt sie auf der Linie verschiedener Gerichtsentscheidungen, welche dem Bieter bei einem vorzeitigen Abbruch einer Online-Auktion das Zustandekommen eines Kaufvertrages mit sämtlichen hieraus resultierenden Rechtsfolgen zubilligen. Zwar kann im Einzelfall die Ausübung des Anspruchs des Bieters rechtsmissbräuchlich sein (siehe Entscheidung des OLG Koblenz vom 03.06.2009, wo versehentlich ein Autohaus einen Porsche im Wert von ‚€ 75.000,00 ohne Mindestgebot angeboten hatte und bereits nach wenigen Minuten die Auktion abbrach, obwohl bereits ein Gebot über ‚€ 5,50 vorlag). Normalerweise kann jedoch der Bieter die Übereignung des angebotenen Artikels verlangen (so z. B. auch Urteil des LG Coburg vom 06.07.2004).
 
Neu an der Entscheidung des AG Gummersbach ist allenfalls, dass, wenn sich der Anbieter weigert, die Sache herauszugeben, Schadenersatz statt der Leistung verlangt werden kann und dieser darin besteht, welchen Kaufpreis der Bieter am Markt für die angebotene Leistung bezahlen muss. Hierbei ist lediglich das abzuziehen, was er als Gebot bereits abgegeben hatte.