Schadenersatz des Bieters bei vorzeitigem Abbruch einer Online-Auktion

Der Fall

Ein Autohaus hatte einen Porsche im Wert von 75.000,00 EURO im Rahmen einer Online Auktion angeboten, ohne einen Startpreis einzugeben. Der Käufer hatte sofort nach Einstellung des Angebotes einen Kaufpreis von 5,50 EURO geboten. Bereits nach wenigen Minuten war der Fehler vom Autohaus erkannt und die Auktion abgebrochen worden. Der Bieter verlangt vom Autohaus Schadenersatz in Höhe von 75.000,00 EURO nachdem eine Übereignung des Fahrzeugs nicht erfolgte.

Die Entscheidung

Grundsätzlich steht einem Käufer auch bei Abbruch einer Auktion der Anspruch auf Erfüllung zu, weshalb ihm bei Nichterfüllung ein Schadenersatzanspruch zusteht. In besonders krassen Ausnahmenfällen kann es jedoch rechtsmissbräuchlich sein, wenn der Bieter den Nichterfüllungsschaden geltend macht.

Auch bei vorzeitigem Abbruch einer Auktion kommt nach den AGB von eBay der Kaufvertrag zustande. Der Bieter kann daher die Erfüllung des Kaufvertrages verlangen. Ein Anbieter ist nicht berechtigt, beliebig und ohne Rechtsfolgen eine Auktion abzubrechen, da er sich zu deren Durchführung verpflichtet hat und es ansonsten im beliebigen Ermessen des Anbieters stünde, dann eine Auktion ohne jede Folge für ihn zu beenden, wenn er mit dem Auktionsverlauf nicht zufrieden ist. Daher muss ein Anbieter, der den Weg der Auktion anstelle des Festverkaufs wählt, es auch gegen sich geltend lassen, wenn die Auktion nicht nach seinem Interesse verläuft.
 
Es kann jedoch im Einzelfall dann rechtsmissbräuchlich sein, als Bieter auf die Erfüllung des Vertrages zu bestehen, wenn besonders krasse Ausnahmefälle vorliegen. Im konkreten Fall war die Auktion nach wenigen Minuten und ohne ersichtlichen Bezug zu den aktuellen Angeboten abgebrochen worden, da ein extremes Missverhältnis zwischen dem eingestellten Mindestgebot und dem Wert der Kaufsache vorlag, was auf einem Irrtum des Anbieters beruhte. Der Angebotspreis war daher nicht nach allgemeinem Verständnis als Schnäppchen zu verstehen, auf das man unter Berücksichtigung des regulären Kaufpreises bieten konnte, sondern offensichtlich als Versehen des Anbietenden. Der Bieter durfte sich daher ausnahmsweise nicht darauf verlassen, bei Abbruch der Auktion als Höchstbietender bei einem Gebot von 5,50 EURO die Kaufsache übereignet zu erhalten.

Konsequenzen

Das OLG Koblenz hat zunächst bestätigt, dass es nicht im Ermessen eines Anbieters liegt, Auktionen dann zu beenden, wenn diese nicht nach seiner Vorstellung verlaufen. Die überwiegende Auffassung der Rechtsprechung, dass ein Anbieter daher auch eine für ihn negativ verlaufende Auktion gegen sich geltend lassen muss, selbst wenn er diese vorzeitig abbricht, ist durch das Urteil des OLG daher nicht in Frage gestellt.
 
Lediglich im konkreten Fall war das Missverhältnis zwischen dem Angebot und dem Wert der Sache so offensichtlich, dass bei vernünftiger Betrachtung der Bieter nicht erwarten konnte, die angebotene Sache zu seinem Gebot erwerben zu können.
 
In künftigen Streitfällen wird daher individueller als bisher abgehoben werden müssen, ob und bei welcher Grenze die Forderung nach Erfüllung des Vertrages rechtsmissbräuchlich ist oder einfach ein besonderes Schnäppchen erworben wurde, auch wenn der Anbieter mit dem Verlauf der Auktion unzufrieden ist. Im Einzelfall kann dies durchaus schwierig werden wie z. B. das frühere Urteil des LG Coburg vom 06.07.2004 zeigt, wo ein Diamantkollier zum Neupreis von 20.500 EURO für lediglich 401,00 EURO ersteigert worden war und wo das LG Coburg den Bieter zur Erfüllung des Vertrages verpflichtet hatte.