Mitarbeiterfotos auf der Homepage des Unternehmens

Der Fall

Auf der Homepage eines Unternehmens wurde das Foto einer Telefonistin zur Illustration der Kontaktseite des Unternehmens genutzt. Das Arbeitsverhältnis war beendet, das Foto jedoch nicht durch den Arbeitgeber gelöscht worden. Die Mitarbeiterin verlangte Löschung des Fotos, was durch den Arbeitgeber auch unverzüglich durchgeführt wurde. Zusätzlich verlangte die Mitarbeiterin Schadenersatz nach § 823 Absatz 2 BGB i. V. m. § 22 KunstUrhG, § 28 BDSG.

Die Entscheidung

  1. Die Veröffentlichung eines Mitarbeiterfotos auf der Homepage des Unternehmens bedarf einer Zustimmung des jeweiligen Mitarbeiters nach § 22 KunstUrhG. Diese Zustimmung kann allerdings auch konkludent dadurch erteilt werden, dass der Mitarbeiter Kenntnis von der Abbildung auf der Homepage hat und einer solchen während des Arbeitverhältnisses nicht widerspricht.
  2. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist der Mitarbeiter berechtigt, die Löschung seines Fotos von der Homepage zu verlangen. Eine automatische Löschungsverpflichtung besteht jedoch nicht grundsätzlich. Handelt es sich z. B. um ein jederzeit austauschbares Foto wie z. B. das Bild einer Telefonistin während eines Telefonates mit einem Anrufer, ist weniger der Bezug zur Person des Mitarbeiters als zur Funktion gegeben. Wirbt hingegen der Arbeitgeber bewusst mit dem Foto eines Mitarbeiters, weil dieser z. B. in Fachkreisen ein anerkannter Spezialist ist, sind derartige Bilder durch den Arbeitgeber automatisch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu entfernen.
    (Redaktionell bearbeitet, keine Leitsätze des Gerichtes)

Konsequenzen

  • Die Verwendung von Mitarbeiterbildern auf einer Unternehmenshomepage ist nur unter bestimmten Vorraussetzungen zulässig. Auch wenn eine konkludente Einwilligung ausreicht, ist dem Unternehmen zu raten, eine ausdrückliche und schriftliche Einwilligung des Mitarbeiters einzuholen, um später auch dokumentieren zu können, dass der Mitarbeiter zugestimmt hat. Gerade bei umfangreicheren Homepages dürfte es für das Unternehmen sonst im Streitfall schwer nachzuweisen sein, dass der Mitarbeiter Kenntnis von der Verwendung seines Fotos und dieser nicht widersprochen hatte.
  • Auch wenn das Unternehmen nicht in jedem Einzelfall verpflichtet ist, bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses auch das Foto des Mitarbeiters automatisch zu entfernen, ist dem Unternehmen ebenso zu raten, in die Checkliste für die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses die Überprüfung der Homepage aufzunehmen, so wie in dieser auch z. B. die Rückgabe von Unternehmenseigentum, Schlüsseln und anderen, dem Arbeitnehmer überlassenen Gegenständen oder Unterlagen stehen sollte. Dadurch verhindert das Unternehmen zumindest, dass der Arbeitnehmer sich später gegebenenfalls unter zur Hilfenahme eines Rechtsanwaltes mit dem Unternehmen über die Beseitigung der Bilder und angebliche Ansprüche wegen der Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Mitarbeiters auseinandersetzen wird.
  • Gerade für Fotos auf einer Homepage, welche eine funktionale Illustration haben wie z. B. Telefonistin, Servicemitarbeiter, Lager etc., sollte ein Unternehmen daher prüfen, ob nicht eher Fotos über eine Bildrechtagentur eingekauft werden, welche professionell zur Illustration derartiger Funktionen mit unternehmensexternen Personen erzeugt wurden, als Mitarbeiterfotos der eigenen Mitarbeiter zu verwenden. Werden die Rechte an solchen "Kunstbildern" eingekauft, muss das Unternehmen nicht bei jeder Beendigung eines Arbeitsverhältnisses die Unternehmenshomepage daraufhin überprüfen, ob gegebenenfalls auch an irgendeiner Stelle der Unternehmenshomepage ein Foto des Mitarbeiters abgebildet ist.
  • Zumindest stellt das Urteil jedoch klar, dass dem Arbeitnehmer keine Schadenersatzansprüche zustehen, wenn nicht das Unternehmen gerade diesen Mitarbeiter zu besonderen Werbezwecken abgebildet hat (wie z. B. den oben genannten branchenweit bekannten Speziallisten).

Das gesamte Urteil

Das vollöständige Urteil finden Sie hier, mit freundlicher Genehmigung von juris.