Mangelkenntnis bei Kauf

Der Fall

Der Kläger hat von dem Beklagten über den Internet-Anbieter eBay eine Puppe ersteigert. Der Kläger stellte nach Erhalt der Puppe fest, dass Kopf und Körper der Puppe nicht zueinander gehören, sondern nur zusammengesetzt wurden. Der Beklagte hatte in der Beschreibung der Puppe darauf nicht hingewiesen und auch per eMail dem Beklagten bestätigt, dass beides zueinander gehört.

Die Entscheidung

Der Kläger kann sich gegenüber dem Verkäufer auf die Mangelhaftigkeit der Puppe berufen und die gesetzlichen rechte (Wandelung, Minderung, Rücktritt vom Vertrag) gelten machen. Die Puppe ist mangelhaft, da vereinbart war, das es sich um den Originalkörper der Puppe handelt. Auf Grund seiner Sachkenntnis hätte der Beklagte darauf hinweisen müssen, das Kopf und Körper nicht zusammen passen. Auf den Fotos war für den Käufer auch nicht erkennbar, dass Kopf und Körper gerade nicht zusammen passen. Es lag keine Kenntnis der Mangelhaftigkeit vor.

Das LG Trier führt dazu aus, dass wenn bei einer Internet-Auktion veröffentlichte Fotos und Beschreibungen des Auktionsgegenstandes keinen Hinweis auf einen Mangel enthalten, sich der Käufer auf die Beschreibung des Gegenstandes und die Fotos verlassen darf. Da bei der Internet-Auktion eine vorherige intensive Besichtigung des Kaufobjektes nicht möglich ist, ist nicht davon auszugehen, dass dem Käufer der Mangel der Kaufsache aufgrund grober Fahrlässigkeit unbekannt geblieben ist.
(redaktionell bearbeitet)

Konsequenzen

Weist der zu versteigernde Gegenstand einen für den Verkäufer bekannten Mangel auf, so muss der Verkäufer diesen benennen, wenn er nicht aus den im Internet veröffentlichten Bildern offensichtlich erkennbar ist. Andernfalls kann der Käufer Gewährleistungsrechte geltend machen. Da eine Besichtigung des Gegenstandes nicht möglich ist, liegt auch keine fahrlässige Nichtkenntnis des Mangels beim Käufer vor, es sei denn, der Mangel war auf dem Bild zu erkennen oder wurde bezeichnet.
             
Siehe auch JurPC