Zugriff auf e-Mails durch Systemadministrator und außerordentliche Kündigung

Der Fall

Ein seit vielen Jahren in einem Unternehmen  tätiger IT-Administrator mit Zugriffsrechten auf die gesamte IT und die E-Mail-Postfächer aller Mitarbeiter hatte Sorge, dass ihm ein neues großes Projekt, das er ausführen wollte, weggenommen werden könnte. Er schaute daraufhin in die eMail-Eingangsbriefkästen sowohl seines Gruppenleiters als auch eines Geschäftsführers. Dies wurde durch das Unternehmen festgestellt und der Administrator zu einem Gespräch gebeten, in dem er zunächst die Vorwürfe abstritt.  Der Geschäftsführer teilte dem Administrator mit, dass das Vertrauen zu ihm gestört sei und er freigestellt und gekündigt würde. Zwei Tage später räumte der Administrator einen Verstoß ein, obwohl zu diesem Zeitpunkt das Unternehmen bereits weitere Verstöße festgestellt hatte.

Die Entscheidung

  1. Nimmt ein IT-Administrator unerlaubt Einsicht in interne E-Mail-Postfächer, öffnet in diesen E-Mails, die sein Vorgesetzter an eine weitere Führungskraft gesendet hat und leugnet er dieses zunächst, kann ihm fristlos ohne vorherige Abmahnung gekündigt werden.
  2. Der Administrator hat in schwerwiegender Weise gegen seine vertraglichen Pflichten verstoßen, da er unter Missbrauch der ihm übertragenen Befugnisse und technischen Möglichkeiten auf interne Korrespondenz zwischen seinem Vorgesetzten und einer weiteren Führungskraft zugegriffen hat. Danach ist das Vertrauen des Arbeitgebers in eine nur zweckbestimmte Verwendung der Zugriffsrechte des Administrators und der Daten entfallen und eine außerordentliche Kündigung gerechtfertigt.
  3. Ein Arbeitgeber muss sich darauf verlassen können, dass ein Administrator auch in Ausnahmesituationen seine Zugriffsrechte nicht missbraucht. Tut er dies dennoch, handelt es sich hierbei um einen äußerst gravierenden Verstoß, der die Grundlage zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer erschüttert, so dass der Ausspruch einer Abmahnung entbehrlich ist.
    (redaktionell bearbeitet)

Konsequenzen

IT-Administratoren haben in Unternehmen eine besondere Position. Sie haben rein technisch die Möglichkeit, sämtliche Geheimnisse im Unternehmen, aber auch dem Personendatenschutz unterliegende Informationen zu erlangen, wenn sie ihre technischen Möglichkeiten missbrauchen. Ein Missbrauch dieser Möglichkeiten führt daher immer zu einer besonders gravierenden Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche eine außerordentliche Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung rechtfertigt. Ein solcher Missbrauch durch einen Administrator ist insoweit mit einen Diebstahl eines sonstigen Mitarbeiters zu vergleichen.

Das gesamte Urteil

Das vollständige Urteil finden Sie hier mit freundlicher Genehmigung von juris.