Ausspähen von Nutzerdaten und Aktivierung der Webcam als Straftat

Der Fall

Der Angeklagte hatte in mindestens 98 Fällen wie folgt gehandelt:

Unter Einsatz einer Software zur Entschlüsselung von Passworten bei einem Instant-Messaging-Dienst gelangte der Täter an die Anmeldedaten verschiedener User dieses Dienstes. Er loggte sich anschließend mit diesen Daten bei dem Dienst ein und verschickte an die Kontaktlisten der jeweiligen User eine  als vertraulich vermerkte E-Mail mit der Aufforderung, einen bestimmten Anhang zu öffnen. Die Empfänger der E-Mail gingen davon aus, dass diese von einem vertrauenswürdigen Absender stamme und öffneten den Anhang. Hierbei installierte sich auf den Rechnern der jeweiligen Empfänger eine Software, welche es dem Täter ermöglichte, die in diesen Rechnern eingebaute Webcam zu aktivieren und so heimlich Fotos von diesen Rechnern aus zu machen. Die so heimlich gemachten Fotos übertrug der Täter auf seinen eigenen Rechner.

Das Gericht hatte die Strafbarkeit dieses Vorgehens zu beurteilen.

Die Entscheidung

  1. Der Angeklagte hat sich des Ausspähens von Daten gemäß § 202a StGB in 98 Fällen, in 12 Fällen in Tateinheit mit Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen gemäß § 201a StGB schuldig gemacht.
  2. Das Ausspähen von Daten gemäß § 202a StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen gemäß § 201a StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
  3. Er wird zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr und 10 Monaten verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird.
    (redaktionell bearbeitet)

Konsequenzen

  • Gemäß § 202a StGB ist das Ausspähen von Daten strafbar. Der Gesetzestext lautet:

(1) Wer unbefugt sich oder einem anderen Zugang zu Daten, die nicht für ihn bestimmt und die gegen unberechtigten Zugang besonders gesichert sind, unter überwindung der Zugangssicherung verschafft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Daten im Sinne des Absatzes 1 sind nur solche, die elektronisch, magnetisch oder sonst nicht unmittelbar wahrnehmbar gespeichert sind oder übermittelt werden.

  • Es überrascht insoweit nicht, dass der Einsatz einer Software durch einen Dritten, welche von anderen Usern eingegebene Kennworte,  die für einen Zugang zu einem Internetdienst erforderlich sind, entschlüsseln und so dem Dritten  den späteren Zugang zu diesem Internetdienst ermöglichen, strafbar ist. Was eventuell unter internetaktiven Jugendlichen als Spaß verstanden werden könnte, hat strafrechtlich betrachtet immerhin ein Strafmaß von bis zu 3 Jahren Gefängnis zur Folge. Damit handelt es sich bei diesen Straftaten um ein Vergehen im Sinne von § 12 StGB.
  • Interessant an diesem Fall und dem Urteil ist die Verknüpfung mit § 201a  StGB, welche die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen sanktioniert. Bei dieser Strafnorm geht es in erster Linie nicht um Computerkriminalität im eigentlichen Sinne. Ursprünglich richtet sich diese Norm auf heimlich gemachte Fotos zum Beispiel durch Einbau einer Spionagekamera. Das Besondere an diesem Fall ist, dass die zur Herstellung dieser heimlichen Aufnahmen verwendete Kamera im Eigentum der Person steht, von der die Bilder gemacht werden. Nachdem die Bilder dennoch unbefugt, da nicht mit Genehmigung des abgebildeten Menschen, gemacht werden, ist der Straftatbestand verletzt.
  • Was in dem Kinofilm "American Pie"  als großer Spaß dargestellt wird, nämlich die Installierung einer Webcam im Schlafzimmer einer Mitschülerin, die Übertragung der Bilder ins Internet und die Veröffentlichung eines Links, über den man diese Bilder betrachten konnte (wer hätte im Kino nicht über diese Szene gelacht), ist nach deutschem Recht eine Straftat, die mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft wird.

Das gesamte Urteil

 Das vollständige Urteil finden Sie hier, mit freundlicher Genehmigung von juris.